CD des Monats: RUSS BALLARD - Voices (The Best Songs From Russ Ballard)

Eine der bösesten Machofallen, in die man als Mann laufen kann, dreht sich um folgende Aufgabenstellung:
"Nenne einen Künstler mit dem Namen Russ!"
(Russ, nicht Russell)
Mal vor dem Weiterlesen jetzt kurz innehalten und selbst eine Antwort überlegen.





SciFi-Geeks outen sich durch einen schwungvollen Vulkaniergruß und verweisen auf Tim Russ aus "Star Trek: Voyager", der Rest guckt schleimig grinsend nach unten und nennt natürlich Russ Meyer, den alten Großglöckner-Filmer. Schwupp, schon steckt man in einer Schublade des geifernden Riesenbusenfetischisten, aus der man nicht mehr herauskommt, selbst wenn man keines der Werke dieses Regisseurs je komplett gesehen hat. Blöd auch, dass der Russ' vor Berlin im Zweiten Weltkrieg nicht als Antwort in Betracht kommt.

Meine Antwort lautet hingegen Russ Ballard und wenn das fragende Gegenüber die 30 Lenze noch nicht vollgekriegt haben sollte, setzt es zunächst einmal verwunderte Blicke.

Mister Ballard ist ein britischer Sänger, Gitarrist und Songschreiber, der seine größten Erfolge Mitte der 80er verbuchen konnte. Im Jahrzehnt zuvor war er als Teil der Band "Argent" unterwegs und spielte Songs ein, die erst später in Coverversionen durch andere Künstler zu Hits wurden, wie beispielsweise "God Gave Rock'n'Roll To You" (KISS) oder "Since You've Been Gone" (RAINBOW).

Ich stieß 1986 in meiner tiefsten MelodicRock-Phase auf den guten Mann und war sofort angetan von Tracks wie "Two Silhouettes", "A Woman Like You" oder "The Fire Still Burns". Eingängiger Pop-Rock mit E-Gitarre, teils für heutige Ohren schrägen Synthies und goldig 80s-soundigen Drums. Nun distanziert man sich bekanntlich im Laufe der Jahre gerne von Klanggebilden, die man in jungen Jahren für toll befunden hat. Ich alleine könnte mir beim Anblick meiner Vinylsingle-Sammlung aus den Jahren 1979-1983 wahlweise einen Lachanfall oder die Schamesröte ins Gesicht zaubern.

Die Musik von Russ Ballard allerdings hat sich auch über 20 Jahre nach ihrer Blütezeit erstaunlich gut gehalten. "Voices" als amtliche Hitkompilation (mir fehlt eigentlich nur "The Omen") aus dem Jahre 1993 lege ich immer wieder gerne in den CD-Player und drehe dazu meine Runden auf dem Heimtrainer. Neben den bereits erwähnten Liedern stechen besonders das Titelstück (kranke Keyboards!), "Winning" (als Hoffnung für die Tage, an denen gar nix klappen will), "Your Time Is Gonna Come" (besser als jedes Chaka! Chaka!-Motivationsgeheule) oder "On The Rebound" (bei dem Gitarrensolo erschrecke ich mich jedes Mal) hervor. Die CD enthält dermaßen viele ohrwurmige Nummern, dass ich befürchte, irgendein Neuzeitpopheld kommt auf die Idee und singt das Ganze neu ein - in der aktuell beliebten gitarrenfreien und hiphopbeat-unterlegten Variante. Hoffentlich kriege ich das dann nicht mehr mit.

Passend zur Zeitlosigkeit des Ballardschen Liedguts kann es als Hörbeispiel natürlich nur einen Song geben:

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